Plastisches Gestalten mit Ton

In der Plastik wird inneres Wollen sichtbar. 

 

Dr. Dorothee Kalbe, Kunsttherapeutin

 

 

 

Haben Sie die räumliche Form einer Kugel schon einmal mit Händen ertastet und gefühlt? Beim Plastizieren mit Ton erfahren wir unseren Handraum. Die Freude am Schaffen einer nur mir eigenen Form, gestaltet durch meine Hände, erfüllt mich mit Kraft zu Neuem – Formkraft, derer wir so sehr bedürfen im Leben.

Zum Beispiel schaffen wir uns beim Aufbauen harmonischer Gefäßformen einen Innenraum und erleben ein Zentrum. Wir erwerben den Blick für Proportionen. Gefäße sind Abbild der menschlichen Gestalt und führen uns auf den Weg zur menschlichen Form.

Wir werden im Gestalten plastischer Formen zum Mitgestalter an uns selbst, ist doch unser Körper eine „lebendige, lebensvolle Plastik“. Indem er sich während des Lebens in dauernder  Umgestaltung erneuert, ermöglicht er uns geistig-seelische Entwicklung.

Der erdhafte, leicht bildsame Ton erfordert ein ruhiges, liebevolles Form-Begreifen. Schon im anfänglichen Gestalten und Ertasten von Handformen Kugel, Ei, Platonische Körper sind wohltätige Konzentration und Ruhe erfahrbar. Die Eigenschaften des Tons ermöglichen im Prozess hin zur fertig gestalteten Form, mannigfache Zwischenformen und Formverwandlungen  (Metamorphosen). Phantasie und seelische Beweglichkeit werden uns geschenkt.