Biografiearbeit

Im Rückblick auf das Vergangene eine Haltung des Abstands und der Gelassenheit zu finden, so dass ein Begreifen des Schicksalsmäßigen des eigenen Lebens einsetzt. So wird die Geistesgegenwart und Kompetenz im derzeitigen Erleben gesteigert und die vertrauensvolle, angstfreiere Öffnung gegenüber der Zukunft ermöglicht.

Ingrid von Fumetti, Diplom-Psychologin

Grundlegend für die Biografiearbeit wie für die Entwicklungsberatung ist das Wissen um den ständig andauernden Entwicklungsweg des Menschen. Das Nachvollziehen der eigenen Entwicklung, d.h. sie in Bezug zu setzen zu den Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung, wie die Menschenkunde Rudolf Steiners sie beschreibt, aber auch sie zu vergleichen mit den Entwicklungswegen anderer, hilft mehr Abstand und neue Gesichtswinkel in der Betrachtung zu finden. Dadurch können Unzufriedenheit mit dem Erreichten, Beschwernisse mancher Wegstrecke eine neue Bewertung erfahren, so dass eine versöhnlichere, dankbarere Haltung gegenüber den Tatsachen des Lebens und ein tieferes Verständnis für die Menschen entsteht, die unsere Wegbegleiter waren. Es wird um das Verständnis gerungen, warum Ereignisse, Begegnungen uns so zugefallen sind. Aus dem zeitlichen Abstand wird eine Rückschau wie auf ein historisches Geschehen möglich. Die früheren Geschehnisse können so betrachtet werden, als ob man vom Ufer her das Leben vorbeifließen sieht und nun erkennen kann, wie und warum man hier und dorthin getrieben wurde.

 

Es gilt zu erkennen, welche Faktoren dabei wirksam waren. Wir lernen zu unterscheiden zwischen Handeln aus Gewohnheiten, aus subjektivem Getriebenwerden, aufgrund äußerer Einflüsse oder aus innerer Freiheit. Diese Erkenntnisse und ihre Umsetzung in Selbsterziehung und Schulung führen zur Entwicklung der in unserer Zeit so nötigen Geistesgegenwart des bewusst an sich und in die Umwelt wirkenden Menschen. Durch die Pflege der Fähigkeiten der Selbstreflexion und der Selbsterkenntnis können wir unser Ich mehr und mehr mit Bewusstsein ergreifen und als das aus Freiheit heraus Tätige in uns erleben.